Lohmann-Stiftung | Vorbilder
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Vorbilder

Paul Lohmann

Martienßen-Lohmann und Lohmann fußen durch ihre Lehrer Messchaert und Scheidemantel zunächst ganz auf der Tradition des 19. Jahrhunderts, entwickeln diese jedoch weiter und bringen sie mit der Reform der allgemeinen Pädagogik zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Einklang. Die Verwirklichung eines Klangideals, das in der Synthese zwischen italienischem Belcanto-Ideal und deutscher Sprache besteht, verbinden beide Pädagogen mit einem wissenschaftlichen und gesangsforscherischen Anspruch. Trotz ihres Einsatzes für eine deutsche Gesangspädagogik gelingt es dem Ehepaar Martienßen-Lohmann, den nationalen Aspekt und damit eine politische Vereinnahmung in der Zeit des Nationalsozialismus zu umgehen. Dabei berufen sich beide auf ein gesangspädagogisches Konzept mit allgemeingültigem Anspruch, das den ganzen Menschen als Instrument versteht. Auf das Zusammenwirken von physischen und psychischen Voraussetzungen, die wiederum gedanklich erfasst werden, verwenden sie besondere Aufmerksamkeit. Mit ihrem Ansatz legen sie die Voraussetzungen für die heutige moderne Gesangspädagogik, einer „Methodik vom Schüler aus“, die auf der Basis naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und unter Berücksichtigung nationaler Eigenheiten im Kunstgesang auf einen internationalen Konsens hinstrebt.

Franziska Martienßen-Lohmann 1952

Franziska Martienßen-Lohmann, 1887 in Bromberg in einer bürgerlichen Familie geboren, hatte sich mit Unterstützung des Klavierpädagogen Carl Adolf Martienßen (1881-1955), ihres späteren ersten Ehemannes, zunächst auf ein Klavierstudium bei Robert Teichmüller in Leipzig vorbereitet. Nach dessen Abschluss ließ sie des Weiteren ein Gesangsstudium bei dem holländischen Bariton Johannes Messchaert in Berlin folgen. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges, die Geburt ihrer Tochter Sigrid und ihr ausgesprochenes Interesse für ein Erkennen und Verstehen des Gesangs ließen sie neben der künstlerischen frühzeitig die gesangspädagogische Tätigkeit suchen. Durch die spätere Begegnung mit ihrem zweiten Mann Paul Lohmann wurde die eingeschlagene Richtung eindeutig verstärkt. Beide begründeten 1928 eine 40 Jahre währende Tradition von Meisterkursen für Sänger und Gesangspädagogen. Und beide ergänzten sich beruflich, indem Franziska Martienßen-Lohmann mit ihren Veröffentlichungen den Schwerpunkt auf die wissenschaftliche, Paul Lohmann durch seine Konzertpraxis den Schwerpunkt auf die künstlerische Seite setzte. In ihrer Begeisterung für das Pädagogische trafen sich beide.

Nach einer ersten Professur für Gesang in München von 1927 bis 1930 unterrichtete Martienßen-Lohmann an der Kirchenmusikschule in Berlin und von 1933 bis 1945 als „gleichgestellte Mitarbeiterin“ Lohmanns in dessen Vertrag als Professor an der Staatlich Akademischen Hochschule für Musik. Bedingt durch das Kriegsende verließen beide Pädagogen Berlin. Nach einer kurzen Zwischenstation an der Musikhochschule in Weimar wirkte Martienßen-Lohmann von 1949 bis 1969 am Robert-Schumann-Konservatorium in Düsseldorf als Professorin für Gesang. Lohmann gelangte über die Musikhochschule in Erfurt nach Frankfurt, wo er von 1949 bis 1978 ebenfalls eine Professur für Gesang innehatte. Aus dem großen Schülerkreis beider Pädagogen gingen zahlreiche Gesangslehrer hervor, die ihrerseits nach den Arbeitsprinzipien von Martienßen-Lohmann und Lohmann arbeiten. Die positive Resonanz, die die Veröffentlichungen Martienßen-Lohmann seit ihrem Erscheinen gefunden haben, reicht mit unverminderter Akzeptanz bis in die zeitgenössische Fachliteratur der Gegenwart (so u.a. bei Seidner, Fischer, Miller, Pezenburg). Dies zeigt einmal mehr, dass Martienßen-Lohmann ihren früh formulierten Vorsatz, zu einer modernen Gesangspädagogik und Gesangswissenschaft beizutragen, verwirklicht hat.

Hildegund Lohmann-Becker

Hildegund Lohmann-Becker begann zunächst ein Studium der Schulmusik an der Musikhochschule Leipzig, das sie in Dresden bei Dr. Meißner mit Staatsexamen abschloss. Danach Gesangsstudium in Dresden bei Margarete Siems.
Beim Luftangriff auf Dresden am 13.2.1945 verschüttet. Stimme für einige Wochen total verloren. Dann das Buch von Franziska Martienßen-Lohmann kennengelernt: „Der wissende Sänger“. Daraufhin Kontaktaufnahme mit ihr mit anschließendem Vorsingen. Sie empfahl, wegen der räumlichen Entfernung Aschaffenburg – Düsseldorf zum Studium besser nach Frankfurt zu fahren zu ihrem Mann Paul Lohmann.  Dort dann von Anfang an die Schüler von Paul Lohmann am Klavier begleitet. Nach jedem Unterrichtstag Gespräche mit ihm über die erlebte Stimmarbeit. Zu gleicher Zeit Beginn einer systematischen Aufzeichnung über die Arbeit mit einzelnen Stimmen über Jahre hindurch (ca. 60 Stimmen). Auch gemeinsame Arbeit in Kursen mit Franziska Martienßen-Lohmann, die sie während deren Erkrankung in Düsseldorf vertrat. Gemeinsame Kurse jedes Jahr in Luzern. Während des Jahres allein dort so genannte „Zwischenkurse“ abgehalten. Später allein über mehrere Jahre hindurch Kurse gegeben in Stockholm, Kopenhagen, Luzern, Hamburg, Berlin, Mainz, Paris, Istanbul.
Nach dem Tod von Franziska Martienßen-Lohmann Eheschließung mit Paul Lohmann im Jahre 1972. Eigene Liederabende und Kirchenkonzerte in Wien, Istanbul, London, Paris, Zürich, Luzern, München, Saarbrücken, Chemnitz usw..
Am 26.6.1981 starb Paul Lohmann. Danach Gründung der Lohmann-Stiftung für Liedgesang mit der Abhaltung von Symposien dreimal jährlich. In diesem Rahmen jedesmal einen eigenen Fachvortrag gehalten und oft Stimmdiagnosen und Lehrdemonstrationen durchgeführt.
Im Jahr 2007 ist ihr Buch in Form eines Lexikons „Handbuch Gesangspädagogik: Stichworte zu Theorie und Praxis“ im Schott-Verlag erscheinen.