Die europäische Errungenschaft bewahren

Europäische Union, Quelle: http://www.europarl.europa.eu/
Europäische Union, Quelle: http://www.europarl.europa.eu/

Die Entscheidung in Oslo hat es noch einmal vor Augen geführt – all die Diskrepanz, all die ungeregelten Angelegenheiten. Aber vor allem hat sie uns vor Augen geführt, was wir so sehr aus den Augen verloren haben vor lauter Selbstverständlichkeiten.

Europa ist eine Pflanze, die bis in die 90er Jahre behutsam gegossen und gehegt wurde. Es schien, als ob Europa als Bollwerk gegen den Bolschewismus einen weitergeführten Sinn nach der Montanunion innehatte. Doch dann kam die Wende, der “böse Russe” war nicht mehr und damit auch nicht die einigende Propaganda zu Europa. Wir können uns heute nicht mehr ausruhen auf all den (damals schon) sinnlosen Vorurteilen. Heute müssen wir die Augen öffnen für das, was die Europäische Union wirklich ist. Und was sie wirklich bedeutet.

Wir haben gedacht sie ausquetschen zu können wie die Jahrzehnte zuvor, sie beliebig erweitern und mächtiger machen zu können. Dass wir uns damit übernommen haben, ist klar zu sehen. Und genau darin sticht der Friedensnobelpreis aus Oslo. Er besinnt uns auf unsere inneren Werte. Er bejaht die Erweiterung, aber will uns ermuntern, dass wir innehalten und uns mit uns auseinandersetzen. Wer sind wir, wie wollen wir uns strukturieren?

Die EU respektieren

Die Europäische Union hat das Recht, geschätzt und respektiert zu werden. Sie hat das Recht gemocht zu werden, für all das, was sie uns bringt. Klar hat sie auch verbesserungswürdige Eigenschaften – welches Individuum und welche Institution hat das nicht? Aber wir sollten mit Freude und Ehrgeiz uns dieser Sachlage stellen. Erst dann kann die Lösung von den Problemen gelingen vor der wir stehen. Es ist nicht nur eine Schuldenkrise, sondern eine Krise des Selbstverständnisses in Europa.

Die europäische Errungenschaft zu bewahren heißt Frieden zu erhalten, ein soziales Gefühl als Europäer zu entwickeln und endlich einmal zu kapieren, dass uns die EU jetzt mehr denn je braucht. Unseren Zuspruch. Mit dem Friedensnobelpreis ist der Anfang dazu getan. Machen wir mit!

Eine Polemik: Zieht den Stock aus dem Opern-Hintern!

Rheintöchter
 
Gegen die verstockte Kulturlandschaft Deutschlands

Wer in Deutschland Ernste Kultur genießt, dem klebt das Vorurteil an, einen „Stock im Hintern“ zu haben. Schaut man sich heutzutage in der Oper, oder in Festivals der neuen Musik um, könnte man durchaus sich dazu hingerissen fühlen, dass dem so sei. Einerseits mag dem wirklich so sein, dass das heutige Publikum sehr verstockt und todernst daherkommt – allerdings ist es andereseits auch komplett desinteressiert. Es interessiert sich noch nichteinmal dafür, gesehen zu werden. Es ist wie Fernsehen. Nur anstrengender und ernster. Wieviel Aufschrei gibt es noch in Konzertsälen, in Opernhäusern? Vielleicht werden die Storys von früher etwas überhitzt dargestellt, jedenfalls lebte früher mehr als heute.

Die Kunst verkommt immer mehr zu einem Nischenprodukt, in dem sie die Spielregeln des 19. und mittleren 20. Jahrhunderts für das Publikum beibehält. Aber das Menschenbild hat sich geändert, die Bühne lebt es partiell schon vor, die Regisseure lieben das Leben. Aber das Theater? Und das Publikum?

Warum schaffen es Musiker und Unterhalter wie Bodo Wartke, oder David Garett riesige Säle zu füllen? Ihre Musik ist fachlich gesehen auf einem sehr hohen Niveau, sie spielen sogar Musik früherer Zeit.  Ihre Konzerte zeichnet aus, dass sie durch ihre Freizügigkeit, Offenheit und Ungezwungenheit einen lockeren Charme versprühen. Und auch sie machen hohe Kunst! Das Publikum kann sich zurücklehnen und entspannen, es horcht nicht auf jeden kleinsten falschen Ton, oder ein nicht gänzlich sauber gespieltes Intervall. Es lässt sich einfach von der Musik treiben und genießt das Gesamtkunstwerk. Genauso, wie es die früheren Musikgenießer bei einem Händel auch getan haben.

 

Zieht endlich den Stock raus! Popcorn in der Oper!

 

Disneys „Fantasia“ lebt die Freiheit des Kultur-Genusses vor: Es eröffnet Farben, neue Welten, hebt sich schon allein vom Ort der Präsentation ab von der Masse. Es schaut sich einfach auf der Couch mit einem Glas Martini oder Bier entspannter als in einem trockenen Konzertsaal, bei dem ein Rascheln mit dem Programm vom gesamten Publikum mit einem bösen Blick geahndet wird.

Wer schon einmal die Live-Übertragungen auf dem Bebel-Platz in Berlin, oder neben der Münchner, oder Wiener Staatsoper miterlebt hat, der wird dieses Gefühl im Saal vermissen und sich wünschen, er würde draußen schauen. Die Übertragung auf dem Platz bietet die Freiheit, sich hinzulegen, etwas zu essen, zu trinken, sich vielleicht auch mal leise mit dem Nachbarn zu unterhalten (erstaunlicherweise reden sehr wenige und wenn dann sehr leise mit dem Nachbarn). Man kommt in Alltags-Kleidung daher und genießt einfach. So, wie es einem am liebsten ist.

Dem Genuss von Kultur ist das Biedere entzogen und gegen Freiheit ausgetauscht worden. Dabei bleibt die Gewissenhaftigkeit, nur weicht die Ernsthaftigkeit der Freude im Gesichtsausdruck.

Die Säle müssen sich wandeln. Her mit den Kino-Sitzen und den XXL-Popcornmenüs, wahlweise mit Cola, oder gleich Champagner. Her mit den Lichttechnikern und -designern, denen es gefällt, jeden neuen Satz in ein anderes Licht zu rücken, her mit den Dirigenten, die auch gern mal zwischen den Stücken etwas sagen! Her mit dem Publikum, das wieder Spaß an Musik und Theater hat und mitlebt! Und zur Not auch her mit dem 10-Minuten-Reklame-Film vor der Aufführung!

 

Mozart ist genauso Unterhaltung wie Peter Fox

 

Die Musik der großen früheren Komponisten ist keine Musik des Zwangs – sondern eine der Freiheit. DIe Musik spricht davon, die Philosophie hinter der Musik lebt es vor. Keine Musik ist in ein Korsett zu zwingen. Das was als Musiktheorie lehrbar zu machen versucht wird ist wie die Physik eine beschreibende Theorie. Erst war die Musik, dann die Theorie. Als ob Mozart je was von Sonatenhauptsatzform gehört hätte. Er hatte ein Gefühl, ein esspressives Moment. Er hat nicht gesagt: „Ich habe zu schreiben“, sondern „Ich will das jetzt ausdrücken“. Jeden großen Komponisten zeichnet aus, dass er sich gerade die Freiheit nimmt, Regeln zu brechen, Grenzen zu überschreiten. Wenn Schumann genauso geschrieben hätte, wie es die Regeln sagen – er wäre nie zu einer Berühmtheit geworden!

Wäre Mozart in unserer heutigen Zeit lebendig, er würde den Opernsaal verabscheuen und das Publikum auslachen.

Das Publikum raubt sich selbst all seiner Genuss-Möglichkeiten durch diese stocksteife, vollkommen unnatürliche Herangehensweise an die Musik. Es darf sie leben. Und zum Leben gehört Freiheit und Bewegung, aber auch das Ausdrücken der eigenen Meinung (in Wahrheit geht doch jeder nur in die Premiere um hoffentlich einen türknallenden Widersacher der Operninszenierung zu sehen).

Karlsruhe setzt seine rigide Netz-Politik fort

Bundesgerichtshof; Quelle: Wikipedia, User: ComQuat
Bundesgerichtshof; Quelle: Wikipedia, User: ComQuat

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe teilt mit der Naidoo Records GmbH die Auffassung, dass bei jeglichen entdeckten und verfolgten Urheberrechtsverletzung ein Auskunftsanspruch nach § 101 UrhG besteht, selbst wenn die Urheberrechtsverletzung keine gewerbsmäßige Ausmaße annimmt. Damit schwenkt der Bundesgerichtshof als einzige Instanz auf die Meinung der Musikindustrie. Jetzt müssen Internet-Provider Namen und Adresse von Nutzern einer IP-Adresse herausgeben, wenn diese IP-Adresse offensichtlich urheberrechtlich geschütztes Material zum Download von seinem Rechner in Tauschbörsen anbietet, unabhängig von der Menge und der Intention der Urheberrechtsverletzung.

Was ist gewerbliches Ausmaß?

Interessant an diesem Urteil ist die Tatsache, dass der BGH den Gesetzes-Wortlaut vom “gewerblichen Ausmaß” nicht primär auf den Urheberrechtsverletzer bezieht.  Die in der Pressemitteilung enthaltende Passage lautet:

Der in Fällen offensichtlicher Rechtsverletzung (im Streitfall das offensichtlich unberechtigte Einstellen des Musikstücks in eine Online-Tauschbörse) gegebene Anspruch des Rechtsinhabers aus § 101 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 UrhG auf Auskunft gegen eine Person, die in gewerblichem Ausmaß für rechtsverletzende Tätigkeiten genutzte Dienstleistungen erbracht hat (im Streitfall die Deutsche Telekom AG als Internet-Provider), setzt – so der Bundesgerichtshof – nicht voraus, dass die rechtsverletzende Tätigkeit das Urheberrecht oder ein anderes nach dem Urheberrechtsgesetz geschütztes Recht in gewerblichem Ausmaß verletzt hat.

Hier die Pressemitteilung

 

Die Frage, die sich hieraus ableitet ist, was denn die Rechtsverletzung voraussetzt und wie das Gericht mit dem im Gesetz geforderten “gewerblichen Ausmaß” umgeht. Das Gericht negiert die Voraussetzung des gewerblichen Ausmaßes, gibt aber keine klare Aussage, wie es diese Worte interpretiert. Ein Auskunftsanspruch setzt demnach “nicht voraus, dass die rechtsverletzenden Tätigkeiten das Urheberrecht oder ein anderes nach dem Urheberrechtsgesetz geschütztes Recht in gewerblichem Ausmaß verletzt haben.”. Aber, was setzt es dann voraus? Wie kann die gesetzliche Abwägung zwischen privatem und gewerblichem Austausch von urheberrechtlich geschützten Werken gezogen werden?

Wer soll eigentlich geschützt werden? 

Der BGH begründet die Ausschlachtung von § 101 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 UrhG, und damit den Freibrief für die Ausnutzung des Urteils damit, dass der Rechteinhaber “faktisch schutzlos gestellt, soweit er bei Rechtsverletzungen, die kein gewerbliches Ausmaß aufweisen, keine Auskunft über den Namen und die Anschrift der Verletzer erhielte.”. Dabei ist dem Gesetz klar zu entnehmen, dass eine Schutzabwägung in Betracht gezogen worden ist. Das Gesetz definiert das gewerbliche Ausmaß so:

Das gewerbliche Ausmaß kann sich sowohl aus der Anzahl der Rechtsverletzungen als auch aus der Schwere der Rechtsverletzung ergeben.
(§ 101 Abs. 2 UrhG)

Auch § 101 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 UrhG, wonach auch ein Auskunftsrecht gegen eine Person, die “in gewerblichem Ausmaß (…) rechtsverletzende Tätigkeiten genutzte Dienstleistungen erbrachte” zieht hier eine Schutzabwägung zwischen privatem (also ohne Umsatz-, oder Gewinnabsicht) und gewerblichem (also mit Umsatz-, oder Gewinnabsicht) Ausmaß. Denn die Definition des gewerblichem Ausmaß bleibt bestehen.

Dass das BGH nun allerdings eben jenen Schutz für “die Kleinen” zerschlägt und einzig dem Rechteinhaber ein Schutzrecht zuspricht ist nicht zu verstehen. Das Gesetz pocht doch offensichtlich darauf, dass eine Abwägung getroffen wird.

Der BGH und das Um-die-Ecke-Denken

Der BGH denkt allerdings noch um eine weitere Ecke. So bezieht es das “gewerbliche Ausmaß” nicht auf die Rechtsverletzung sondern auf die Dienstleistung, in der Regel also den Internet-Provider. Aufgrund dessen bestehe der Auskunftsanspruch für jegliche “offensichtliche Rechtsverletzung”. Desweiteren wird diese Interpretation gestützt auf die Systematik und Zweck des Gesetzes. Diese Begründung ist fragwürdig, sowie für mich nicht nachvollziehbar. Ist es doch gerade der Zweck des gesetztes, zwischen “gewerblichem” und privatem Ausmaß zu unterscheiden. Ansonsten hätte der Gesetzgeber diese Unterscheidung nicht explizit in das Gesetz geschrieben. Diese Unterscheidung mit dem Hinweis auf die Schutzlosigkeit der Rechteinhaber null und nichtig zu machen, entzieht sich jeder Logik. Sie dient einzig und allein dem Bestreben, den Internet-Nutzer weiter an die Kette zu legen und dem freien Raum einer möglichst großräumigen Überwachung preiszugeben. Desweiteren wird hier das Individuum, welches von Staatswegen her geschützt werden sollte, den großen Institutionen ausgeliefert.

Fortlaufende Rechtslogik

Dieses Urteil deckt sich in der Rechtsauffassung mit dem Urteil des BVerfG zum Thema WLAN und freie Hotspots (der Artikel zum Thema ist hier zu finden: Karlsruhe versetzt freien HotSpots den Todesschuss – und verfehlt knapp ). Ein freiheitliches Denken ist nicht zu erkennen, eher der Galopp in die gesetzesmäßig zu verankernde Vollüberwachung der Internet-Nutzer, sowie die Etablierung aller Rechte bei großen Institutionen. Bald wird es nicht mehr möglich sein, Kunst (sei es Software, Musik, Bilder, Texte, Gedanken) frei zu genießen. Jegliche Information wird einem Urheber zugeordnet und all seine Genießer werden überwacht, damit auch ja jeder seinen Beitrag dem Urheber rüberreicht.

 

Dieses Urteil ist sehr kritikwürdig, denn wenn man dieses und weitere Urteile weiter denkt, wird Big-Brother nicht nur in Staaten wie den USA, Iran, Syrien und Russland alltäglich sein, sondern auch bei uns in Deutschland. Unser Denken wird dadurch unfrei, sowie unsere Freiheit beschnitten. Damit würden unsere Gesetze und die Urteile gegen §2,Abs. 2, Satz 2 GG (“Die Freiheit der Person ist unverletzlich”) verstoßen. Jetzt ist die Zeit unsere Freiheit einzufordern und mit solchen Urteilen hart ins Gericht zu gehen.

 

Mit Strom fahren

Der kleine beim Laden; Quelle: Christian Kresse
Der kleine beim Laden; Quelle: Christian Kresse

Seit Anfang Juni bin ich im Besitz eines elektrisch betriebenen Motorollers. Kein lauter Motor, keine stinkenden Abgase, keine zu wechselnde Kühlflüssigkeit, oder gar Motorenöl – einzig die Hydraulik der Bremsen besitzt noch eine Flüssigkeit. Der Elektromotor sitzt direkt im Rad und damit ist auch eine Kette überflüssig.

Ab und an zieht man die Blicke der Passanten auf sich, oder aber auch ein kleines nettes Gespräch über das Gefährt. Aber, primär rauscht man lautlos an allen Menschen vorbei – wenn man von den noch quietschenden Bremsen absieht.

Es ist ein grandioses Gefühl, an der roten Ampel neben einem knatternden, stinkenden und anfälligen Motoroller zu stehen und zu wissen: Er hört mich nicht! Ich verbrauche 99% weniger Energie als er, wenn wir an der roten Ampel stehen.

 

Innovation benötigt Vorreiter

 

Die Wirtschaftlichkeit (m)eines Rollers ist dank des hohen Einstiegspreises erst in 2-3 Jahren erreicht. Denn, was man momentan nicht in Benzin ausgibt, hat man vorab in den Akku investiert. Und selbst der Strom ist grundsätzlich nicht komplett kostenlos. Bei mir war das wichtigste Kriterium der herausnehmbare Akku. Dieser hat den Preis überdurchschnittlich angehoben. Wenn dieses Kriterium nicht steht, und man seinen Roller nur an (halb-)öffentlichen Ladesäulen, oder in der Garage laden kann, kann man locker 20-30% sparen. Aber, mir geht es um den herausnehmbaren Akku, sowie die innovative und ressourcenschonende Fortbewegung – und da steht die Wirtschaftlichkeit an zweiter Stelle.

 

Öffentliche Verkehrsmittel und Stadtplanung

 

In einer Stadt wie Karlsruhe sind die öffentlichen Verkehrsmittel eine Qual. Braucht man mit dem Fahrrad auf einer Strecke von 5 km vielleicht 10-15 Minuten, benötigt man mit  der Straßenbahn locker doppelt bis dreimal so viel Zeit. Karlsruhe ist die einzig mir bekannte Stadt, in der es Straßenbahnstau gibt. Ein Fahrrad ist hier die beste und wirtschaftlichste Wahl. Aber, wenn man am Tag 30-40 km zwischen mehreren Standorten in der Stadt pendeln muss, kommt man auch mit dem Fahrrad irgendwann an seine Grenzen. Das war der Grundgedanke hinter dem Motoroller.

Nach einer Weile des Pendelns kann man feststellen – auch die Verkehrsregelung und Straßenführung in Karlsruhe ist ein Graus. Man ist mit einem motorisierten Fortbewegungsmittel nicht schneller als mit dem Fahrrad – aber entspannter.

Man könnte von den Österreichern lernen und bei möglichst jeder sich bietenden Gelegenheit Kreisverkehre einführen. Damit würden künstliche Staus vermieden, der Verkehrsfluss aufrecht erhalten, das Unfallrisiko minimiert und Stromkosten gespart. Aber nein, in Deutschland baut man lieber unsinnige Ampeln, als Kreisverkehre.

 

Den Tag planen

 

Wenn ich mit meinem Roller unterwegs bin, plane ich vorher, ob ich mein Ladekabel mitnehme. Da stehen folgende Fragen:

  1. Wieviel fahre ich heute – schaffe ich diese Strecke mit einer Akkuladung, ohne den Akku zu sehr herunterzufahren?
  2. Wieviele Personen, bzw. Zusatzgewicht befördere ich?
  3. Ist in der Nähe meiner Standorte eine Steckdose, oder eine EnBW-Ladesäule?
  4. Wie ist das Wetter? Ist es windig?

Laut Datenblatt schafft mein Roller etwa 80 km. Um den Akku zu schonen, vermeide ich es, diese 80 km auszureizen und versuche den (Li-Po-)Akku möglichst flach zu be- und entladen. Ähnlich geschieht dies im Toyota Prius-Plugin, bei dem vom Akku ebenfalls nur teilweise genutzt wird, um eine lange Lebensdauer zu garantieren. Nach 50 km, peinigt mich dennoch mein Gewissen, den Akku endlich zu laden, auch wenn ich noch einige Kilometer kommen würde. Und lange vor dieser Reichweite erreiche ich meist wieder eine Stromtankstelle.

In Karlsruhe stehen Ladesäulen der EnBW an vielen praktischen Orten. Zum Glück auch in Laufreichweite meines Lieblingsrestaurants. Dann kann ich Essen gehen und zeitgleich den Akku laden. Innerhalb von 3-4 Stunden ist der Akku meist wieder komplett geladen. So lange gehe ich zwar selten Essen, der Stromstoß reicht jedoch völlig aus um entweder nach Hause, oder zur nächsten Steckdose zu gelangen.

Als eben jene Ladesäule am Restaurant defekt war, musste ich mich auf die Suche nach einer neuen machen. Ich hätte es etwas zu dreist und umständlich gefunden, das Restaurant nach Strom zu bitten, und mit einer doch recht klobigen Batterie aufzukreuzen. Bei eben jener Suche nach einer Ladesäule wurde ich in einem Parkhaus fündig. Das Vorhandensein der Ladesäule und das Schild “Reserviert für Elektrofahrzeuge” dort gab mir die moralische Berechtigung, einen PKW-Stellplatz dafür in Anspruch zu nehmen. Mal ehrlich – hat jemand schon ein E-Fahrzeug auf solch einem Parkplatz gesehen? Ich noch nicht. Und solange die nicht massenweise rumfahren, darf ich das.

Identifizieren an der EnBW-Ladesäule; Quelle: Christian Kresse
Identifizieren an der EnBW-Ladesäule; Quelle: Christian Kresse

Das Laden an solch einer Ladestation ist simpel. Die Anmeldung auch. Ist der gesamte Anmeldeprozess durchlaufen und hält die Ladekarte in seinen Händen, kanns auch schon losgehen. Man hält diese Karte an das Display der Ladesäule, ein LED-Kreisel leuchtet auf und die Ladeklappe entsperrt sich. Dann kann man seinen Stecker vom Ladegerät auch schon hineinstecken. Ladeklappe zu, und der Strom fließt. Wenn man weiterfahren will, ist das Prozedere fast genauso: Mit Ladekarte anmelden, Klappe hochheben, Stecker raus, Klappe wieder zu und fertig.

Die Tarife sind sehr vertretbar. Grundsätzlich unterscheidet die EnBW 3 verschiedene Tarif-Zonen (Spar-,Basis- und Hot-Spot-Zone). In Stuttgart werden diese Zonen wohl angewendet, in Karlsruhe gibt es nur die Spar-Zone. Bei einem Grundpreis von etwa 5 Euro im Monat zahlt man pro Ladestunde 15 Cent. Also, einmal Volladen kostet zwischen 45 und 60 Cent – für 50-60 km doch ein vertretbarer Betrag. Mit einem normalen Roller zahlt man etwa 2,5 Euro. Bis Ende August ist das Laden an der Ladesäule gänzlich kostenfrei. Also spart man dann 5 Euro /100 km, gegenüber einem normalen Roller.

Wenn ich mit einer weiteren Person auf dem Roller fahre, ist der Stromverbrauch natürlich wesentlich höher und man kann der Ladeanzeige förmlich dabei zusehen, wie sie nach unten rauscht. Aber, das wäre mit einem benzinbetriebenen Motoroller dasselbe. Jedenfalls ist festzustellen, dass es geht. Und zwar gut. Faszinierend fand ich die Frage einer Mitfahrerin, die sie bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h stellte: “Ist er [der Motoroller, Anm. d. Red.] schon an?”

 

Lautlos gleitet man

Lautstärketechnisch gibt es keinen Unterschied zwischen dem ausgeschalteten und betriebsbereiten Motoroller. Einzig ein rotes Lämpchen und die evtl eingeschalteten Scheinwerfer bezeugen die Fahrbereitschaft. Dreht man nun ruppig am Gasgriff wird man nach hinten gedrückt. Denn diese Wucht an Leistung erwartet man nicht. Vor allem wird diese Leistungsentfaltung von keinem vorauseilenden Geräusch begleitet. Der Elektromotor gibt einen typischen Sound von sich – der ist allerdings so leise, das man sich schon darauf konzentrieren muss.

Wenn man fährt, muss man für die Menschen um sich herum mitdenken, denn viele verlassen sich im Straßenverkehr nur auf ihr Gehör. Das mag in Anbetracht laut knatternder und stinkender Fahrzeuge ausreichen, aber die hoffentlich aufkommende Elektromobilität wird die Menschen erziehen müssen, dass eben jene auch mit den Augen im Straßenverkehr sind. Jedenfalls gebietet es sich als früher Nutzer, größeren Sicherheitsabstand zu halten und evtl. einen Daumen auf einer der Hupen-Taste zu haben. Sinnigerweise gibt es davon zwei. Und in Anbetracht dieser Lautlosigkeit sind die quietschenden Bremsen mir doch ganz recht – auch wenn sie leicht peinlich sind.

Karlsruhe ist eine flache Ebene. Die einzigen Berge gibt es in Parkhäusern. Bei meiner Suche nach einer EnBW-Ladesäule konnte ich unter Beweis stellen, dass selbst Parkhaus-Anstiege kein Problem sind, auch mit minimalem Anlauf.

Dieser Artikel ist in einer gekürzten Fassung im Kunden-Blog der EnBW AG zu finden: https://www.enbw.com/blog/kunden/2012/07/25/mit-strom-fahren/ 

 

Christian Kresse

Deutsch-Türkische Kultur at its best

Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Deutsch-T%C3%BCrkisch.jpg
Deutsch-Türkische Flagge Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Deutsch-T%C3%BCrkisch.jpg

“Die Türken, die ihr habt, wollen wir gar nicht mehr zurück!”, haute mir ein in der Türkei lebender Türke vor einiger Zeit an den Kopf… . Ob das die Mehrheitsmeinung ist, sei dahingestellt. Auf jeden Fall ist es ein Indiz für eine kräftige Entfremdung ein und desselben Volkes. Aber, das ist ganz normal. Was haben schon die Argentinien-Deutschen noch mit uns gemein? Kaum mehr als veraltete Riten, Gebräuche und einen veränderten Grundstamm von Sprache.

 

Integration als Anpassung beider Seiten

Aber, darum soll es nicht gehen. Wichtig ist, wie die (neuen) Völker zusammenwachsen. Was geschieht, wenn ein deutsch-türkisches Ehepaar eine Feier gibt? Welche Musik wird gespielt? Welche Sprache gesprochen? Wohin gehören die Kinder?

Die nun folgende Betrachtung ist keineswegs repräsentativ, noch bedingt sie einer wissenschaftlichen Basis. Jedoch ist sie ein Versuch, einen Einblick in die Lebenswirklichkeit zweier Kulturen und mehrerer Generationen zu geben.

Eine Veranstaltung zweier Kulturen fängt zunächst damit an, dass die türkischen Männer ab Mitte 40 den Saal aufbauen. Unterstützt von einem Deutschen ist die Sprache eindeutig geregelt: Türkisch. Das mag in diesem Fall an der Mehrheit liegen – Demokratie halt. Aber dieses Grundprinzip der Sprachenwahl zieht sich bei eben jener Altersstruktur erkennbar häufig durch wie ein roter Faden. Egal ob sie nun in der Mehrheit oder in der Minderheit sind. Für sie ist Türkisch die primäre Sprache. Vielleicht mag das einerseits an ihrem Denken liegen, wohl aber primär an ihren mangelnden Deutsch-Kenntnissen.

Ihren Kindern (von Kindergarten- bis Abituralter) fällt die Sprachwahl ähnlich leicht – allerdings entscheiden sie sich für die andere Seite. Für das Deutsche.  Untereinander und erkennbar häufig auch mit den Älteren ziehen sie dem Türkischen das Deutsche vor.  Sie scheinen sich ihrer Zweistaatlichkeit im Inneren klar zu sein. Für sie ist ihre Heimat, zu der sie auch eher stehen, Deutschland. Für sie spielt es allerdings auch keine Rolle, zu wem sie nun halten. Maximal, wenn bei einer WM Deutschland gegen die Türkei spielt.

 

Das Essenzeremoniell

Dass türkische Mütter viel und wahrhaft gut schmeckendes Essen zubereiten, dürfte bekannt sein. Und wenn 5 türkische Mütter an einen Abend aufeinandertreffen ist klar, dass locker dreimal so viel Gäste hätten kommen können. Die deutschen Mütter hätten solch leckere Salate und Desserts nicht hinbekommen.

 

Musik als verbindendes Mittel

Die Musik und das kulturelle Programm eines solchen Abends war ein Querschnitt beider Kulturen. Am Anfang gab es türkische Popmusik, sowie eine – etwas ältere – Bauchtänzerin. Je später der Abend wurde, desto später mitteleuropäischer und mainstreamiger wurde die Musik.

Wie stellt man sich eine türkische Gesellschaft mit einer Bauchtänzerin vor? Richtig – sie stehen, klatschen im Rhythmus der Musik und erfreuen sich an ihr. In Deutschland haben sie die deutsche Art wohl sehr schnell aufgenommen: Sie saßen an den Tischen und schauten wie im Theater, was da wohl passiert. Kein ausgelassenes Gelage, keine johlenden Männer. Es war gesittet. Es war deutsch. Erst als es zu späterer Stunde Mainstream-Musik gab, standen alle auf der Tanzfläche und haben ausgelassen deutsch gefeiert. So passen sich Kulturen an.

 

Religion und Zugehörigkeit
Die deutsche Verantwortung

Dass religiöse Bezüge vielleicht noch eine Rolle spielen, allerdings keine gewichtige, zeigte sich an der Menge des Alkohols, der genossen wurde. Allerdings wurde Schweinefleisch abgelehnt. Verstehe dies, wer will, aber es deutet sich damit eine Aufweichung der eigenen Tradition und die Frage nach der Zugehörigkeit ab.

Die Jugend dagegen bekennt sich klar zu ihrer denkenden Absicht. Sie wollen nicht einfach den Glauben der Eltern übernehmen, sondern selbst entscheiden. Frei und ohne Beeinflussung. Daraus resultiert gelegentlich ein etwas übersteigerter Kantianismus, aber vor allem die Frage nach der seelischen Heimat. Sie ist vielen nicht klar. Die Frage nach ihrer Heimat – der religiösen, sowie der staatlichen – müssen sie für sich auf einem mühsamen Weg beantworten. Genau da ist die Verantwortung von uns allen gegeben: Mit ihnen zu denken und ihnen das Gefühl zu geben, hier in unserem Land und in unserem Denken willkommen und zu Hause sein zu können!

 

Soziologie in ihrer besten Form

An solch einem Abend hätten Soziologen ihre wahre Freude gehabt – nämlich die gesittete Verbindung zweier Kulturen zu erleben. Zu erleben, wie egal es den Kindern ist, ob sie nun eine dunkle, helle, oder Mischhaut haben. Sie haben ihren Anknüpfungspunkt: die deutsche Sprache – aber vor allem ihre Freundschaft. Einzig die älteren haben eine gewisse Distanz sich bewahrt und eine gewisse Scheu vor der jeweils anderen Kultur an den Tag gelegt. Aber, spätestens nach dem 2. wirklich guten Cocktail weicht solche eine Scheu auf.

Es zeigt sich an solchen Abenden, wie eine Verbindung zu stande kommen kann – dass Integration funktionieren kann, auch wenn sie noch lange nicht perfekt ist. Aber sie bietet einen Einblick, und damit das Verständnis für den jeweils anderen. Wenn wir uns dann noch auf eine Sprache einigen könnten, die wir durchziehen, dann wäre ja alles klar!

Fußballer sind keine Außenpolitiker, tragen aber Verantwortung.

Eröffnung_UEFA_12; Quelle: www.uefa.com
Eröffnung UEFA12; Quelle: www.uefa.com

Die Sportler sind sich ihrer Verantwortung nicht bewusst, sie versuchen sich tunlichst aus dem Politischen herauszuhalten. Ich erinnere mich an das Formel1-Rennen aus Bahrain, bei dem aus dem Fußball die Kritik kam, Sportler müssten sich auch ihrer Vorbild-Funktion und der daraus resultierenden Verantwortung stellen. Und? Wo ist die Verantwortung der Fußballer? Ich erkenne keine. Wo ist die Verantwortung der Medien, die ebenfalls breit darauf herumgeritten sind, dass aus der Formel1 dieses Statement kam? Ich erkenne keine!

 

Reinhold Beckmann hat die Lage zu erklären

 “Die Kanzlerin, sowie andere deutsche Politiker, bleiben den Eröffnungsspielen dieser Europameisterschaft fern, um dem ukrainischen Präsidenten keine Bühne zu geben.” Reinhold Beckmann, beim Eröffnungsspiel der deutschen Mannschaft während der EM 2012

Genausowenig ist die Verantwortung der Medien zu erkennen. Reinhold Beckmann versucht sich mit seinem lapidaren Satz aus der Affäre zu ziehen und macht sich genau dadurch schuldig. Er hat offen darüber zu reden, die politischen Vorgänge im Falle Timoschenko darzulegen und genau zu erklären, warum europäische (vor allem deutsche) Politiker den Spielen fernbleiben. Es reichen dafür 30-60 Sendesekunden. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass eine halbe Stunde vor Anpfiff die Berichterstattung beginnt.

 

Aber warum tut er das? Weiß er es nicht besser? Das kann man ihm kaum unterstellen, wenn man seine sonstigen Aktivitäten im Auge hat. Und wenn doch, ist es reichlich beschämend. Schlimmer wäre, wenn er es bewusst verschwieg. Aus Angst vor der Regierung? Das wäre nachvollziehbar, aber evtl. unberechtigt. Wahrscheinlicher ist, und das ist wesentlich beschämender vor allem den Zuschauern gegenüber, er hält die Sache für nicht erklärungswürdig und die Zuschauer für nicht interessiert und/oder intelligent genug, sie mit diesem Thema zu konfrontieren. Er hat diese Erklärung nachzuholen, andernfalls bringt er sich und seine Kollegen in Misskredit. Denn dann bezeugt er ein Desinteresse gegenüber einem Thema, welches von großer menschlicher, sowie politischer Dringlichkeit ist! Das darf sich ein ansonsten so fähiger Moderator und Journalist nicht anlasten!

Die Schufa hat nichts in privaten Daten zu suchen!

Schufa. Quelle: www.schufa.de
Schufa. Quelle: www.schufa.de

Dass die Schufa gern Daten sammelt, und diese falsch sogar speichert, ist hinlänglich allen bekannt. 45 % der Datensätze seien falsch, wie das Bundesministerium für Verbraucherschutz (u.a.) in einer Studie mitteilt. Diese Daten beziehen sich allerdings auf Daten, die mehr oder weniger öffentlich sind – wie der Wohnort, das Alter, die bereits abgewickelten Kreditgeschäfte, und andere. Es ist bereits jetzt erschreckend, dass es keine Einsicht in die Berechnungsgrundlage und -weise gibt, die nachfolgend das Scoring ergeben. Das ist umso ärgerlicher, als dass häufig genug ein Kredit, oder aber auch die Kreditkarte abgewiesen wird, man doch aber mit ihr plante. Facebook- und Twitterdaten sind vielleicht öffentlich, jedoch keine Geschäftsdaten!

 

Scheinbare Wissenschaftlichkeit

 

Doch jetzt begibt sich die Schufa in einen Bereich, in dem nicht nur die Schufa nichts zu suchen hat. Nämlich in unseren Gedanken und unserer Privatsphäre. Sie will zunächst zu “wissenschaftlichen Zwecken” diesen Bereich untersuchen. Welche Wissenschaft betreibt ein privat geführtes, auf Profit zielendes Wirtschaftsunternehmen? Die Zusammenarbeit mit dem Hasso-Plattner-Institut Potsdam (HPI) wirkt indes nur wie ein Alibi, um Wissenschaftlichkeit vorzutäuschen. Indes ist das problematische Moment für das HPI nicht die grundsätzliche Forschung am Auffinden von Informationen im Web, sondern die delikate Zusammenarbeit mit der Schufa. Hätte man eine Kooperation mit Google begründet, so wäre dem wissenschaftlichen Ansatz nichts entgegen zu stellen gewesen und man hätte es ihm geglaubt- Google stellt eine (geordnete) Suche bereit, nicht aber eine Auswertung dieser Daten. Und genau darin liegt der Grund, dass man dem HPI und der Schufa dieses Forschungsstreben nicht abnimmt.

 

Falsch verstandene Aufgabe der Schufa

 

Die Schufa ist ein “Partner der kreditgebenden Wirtschaft” und zuständig, eine Auswertung auffindbarer Daten zu geben. Ihr primärer Punkt ist die Auswertung (und die ist schon problematisch genug), nicht das Öffnen neuer Informationsfelder. Denn die Datengrundlage, auf denen das Scoring beruht, ist breit genug. Diese Auswertung zu verbessern und die Fehlerrate gegen Null laufen zu lassen, sollte der Anspruch der Schufa sein. Das Wissen der Bereiche des Privaten (wann ich was gegessen habe, oder ob ich lieber morgen, oder heute mein auf Kredit finanziertes Auto wasche) haben nichts, rein gar nichts bei Banken zu suchen.

 

“Die Schufa ist eine kriminelle Organisation – ein Teil der organisierten Kriminalität – so ähnlich wie die Bandidos oder Hells Angels, nur das ihre Mitglieder nicht wie Rocker aussehen. Die Schufa handelt ohne rechtliche Grundlage, es gibt kein Schufa-Gesetz, dass diese Firma berechtigen würde, so zu handeln, wie sie handelt.” sagt Henryk M. Broder Den gesamte Kommentar hören von Henry M. Broder auf Radio1 Berlin

 

Eingriff in die persönliche Freiheit

 

Dies ist ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Menschen und damit ein Schlag gegen das Grundgesetz. Denn wenn ich mich bei jedem Facebook-Posting, bei jeder Mail, oder in jedem Chat fragen muss, ob die Antwort, oder jene Frage eine Herabstufung bei der Schufa zur Folge hat, ist die Freiheit des Menschen zutiefst eingeengt. Dann bestimmt die Schufa unser Denken. Und das sollte sie nicht noch mehr tun! Das Handeln der Schufa sollte gesetzlich stark reglementiert werden. Denn wer so in die Freiheitsrechte und in die Privatsphäre der Menschen eindringt, wie die Schufa es bisher bereits tut, kann nicht vollkommen frei von jeglicher staatlichen Eingrenzung handeln! Warum nicht die Schufa abschaffen? In Österreich z.B. ist sowas ebenfalls nicht nötig!

 

Update: Wenige Stunden nach der Veröffentlichung dieses Artikels ist die Zusammenarbeit von Schufa und HPI zum angeblichen Forschungszwecke eingestellt worden. Recht so! Und natürlich hat einzig und allein mein Blog-Eintrag den Grund für das Beenden dieser Zusammenarbeit geliefert ;-) !

Mit meinen Daten wird kein Geld verdient! Facebooks Börsen- und mein Abgang. Eine Chronik.

Facebooks Server-Raum. Quelle: http://newsroom.fb.com/
Facebooks Server-Raum. Quelle: http://newsroom.fb.com/

12.Mai 2012

Die Idee hinter meinem Entschluss, Facebook zu verlassen besteht in der Symbolträchtigkeit meines Vorgehens: Mit meinen Daten wird kein Geld verdient! Ich werde nicht dazu beitragen, dass eine Dividende – wenn sie denn gezahlt wird – ausgeschüttet wird. Ich habe Angst, dass durch Facebook wieder eine Blase entsteht, wie wir sie Anfang der 2000er Jahre haben beobachten dürfen. Zeitlich gesehen ist es mehr als überfällig. Denn wenn Facebook solch eine Bläse zum Platzen bringt, werden unsere Daten meistbietend und ohne moralische Betrachtung verkauft. Ohne Beachtung bestehender Datenschutzrichtlinien.

Das klingt mehr als hochtrabend – ich weiß. Ich weiß genauso gut, dass mein Ausstieg aus Facebook an der Entwicklung dieses Unternehmens nichts ändern wird. Aber diesem Problem steht jeder gegenüber, der gegen ein System kämpft. Dabei kämpfe ich noch nicht einmal, sondern steige einfach aus. Es ist wie zur Zeit des Mauerfalls: ein Einzelner hat das System nicht zu Fall bringen können – es war die schiere Masse. Wenn jeder gedacht hätte: “Ach, ich kann ja eh nichts ausrichten”, dann wäre wirklich nichts geschehen. Aber es hat diese wenigen Menschen gegeben, die nein gesagt haben, und aufgestanden sind.

So ist es auch heute, nur eben ein Stück fauler. Es ist eine Wohnzimmer-Couch-Demonstration ohne den Anspruch, sich, oder irgendetwas sonst zu bewegen. Sondern nur seine Meinung kund zu tun.

 

Der Entschluss

Die Nachricht des Börsengangs von Facebook hat nur einen in meiner gesamten “Freundes”-Liste beunruhigt. Seine Entscheidung fiel eindeutig aus: Er wird Facebook verlassen. Die Diskussion bei ihm bestand aus immerhin 10 Kommentaren.

Als ich meine Entscheidung öffentlich bekundete, kamen innerhalb von 30 Minuten 46 Kommentare zusammen. Das zeigt, dass dieses Thema eine gewisse Brisanz besitzt und die Faulheit der Masse offenbart. Man hat sich eingerichtet, fühlt sich wohl und will sich nicht schon wieder in ein neues Netzwerk einarbeiten. Diese Faulheits-Bekundungen erscheinen immer dann, wenn Facebook etwas an seiner Handhaben ändert, wie die z.B. jetzt zwangsweise eingeführte neue Chronik.

Aus Facebook herauszugehen hat auch etwas von einer Bereinigung – nur mit den wirklich wichtigen Leuten bleibt man in Kontakt. Man weiß eben, wie man den anderen erreicht. Ich weiß, dass solche Kontakte halten können. Und sie werden dadurch fester. Alle anderen waren es vielleicht nicht wert, als “Freunde” tituliert geworden zu sein.

 

13. Mai 2012

Das soziale Dilemma

Kaum wenige Stunden sind vergangen nach meiner Ankündigung, Facebook zu verlassen und schon fühlt man sich wie ein geschätzter Dorfbewohner, der das Dorf zurücklässt um sich selbst zu erfahren. Dieses Band des Sozialen, welches in Facebook natürlicherweise recht stark ist fängt einen zurückziehen zu wollen. Die Freunde und Kollegen versuchen gegen die Entscheidung zu argumentieren. Fachlich können sie mich nicht überzeugen, aber ihre Trauer, nicht mehr so einfach kommunizieren zu können schmerzt einen.

 

15. Mai 2012

Liquid Democracy

Die Meinungen gegen meinen Facebook-Austritt wurden immer drängender. Es wurde heftig dagegen argumentiert und die Karte des Einzelnen und der sozialen Kontakte gespielt. Klar, werde ich die Sozialstruktur meiner Kontakte dadurch verändern und bin immernoch im Unklaren, inwieweit das – sozial – wirklich eine gute Idee war. Jedenfalls stelle ich nun meinen Austritt zur Abstimmung und befrage das “Volk” – also meine “Freunde”. Wenn mehr als 50 % meinen Aufruf zur Liquid Democracy folgen, so werde ich bleiben. Diese Grenze zu erreichen ist keine einfache Aufgabe. Aber so binde ich meine “Freunde” mit ein und kann mich später auf ihr Votum berufen. Ich bin gespannt, was passiert. An meiner fachlichen Einschätzung ändert sich dahingehend nichts. Es ist der Versuch, das Dilemma aufzulösen. Für diese Abstimmung stehen volle 3 Tage zur Verfügung: Bis Donnerstag, 17. Mai, 23:59 Uhr.

 

[Dieser Eintrag ist im Arbeitsprozess, um den Ausdruck "work in progress" nicht zu nutzen. Er begleitet mich in meinem Ausstieg aus Facebook und wird bei Meilensteinen fortgeführt]

Es kann keine Evolution in der Fortbewegung geben

 

Traffic jam next to Siam Paragon in Bangkok to Uwe Schwarzbach
Traffic jam next to Siam Paragon in Bangkok to Uwe Schwarzbach

Allenortes wird momentan diskutiert, wie man diesen Benzinpreisschock überwinden kann, was man alles tun kann, und was man lieber lassen sollte. Diese Diskussion führt zu keinem sinnvollen Ergebnis. Denn sie dreht sich immer nur um die Effizienz-Steigerung der bisherigen Kraftstoffnutzung. Natürlich ist diese Effizienzsteigerung dringend weiter nötig, aber sie führt an dem Weg der steigenden Kosten für die fossile Fortbewegung nicht vorbei, sondern verschiebt ihn in die Zukunft. Dabei ist eine grundlegend neue Diskussion um neue Strukturen der Mobilität nötig. Eine Revolution in der Fortbewegung.

 
Benzin als Grundrecht

 

Die Kosten für Mobilität müssen erträglich bleiben – keine Frage. Ein Anrecht auf Mobilität – und vor allem auf fossile Mobilität – sollte es jedoch nicht geben. Dieser Eindruck wird ebenfalls allenortes vermittelt : >>Auf Sprit hat der gemeine Deutsche ein Anrecht wie auf saubere Luft.<< Nein, hat er nicht! Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass dem so sei. Es war nie so, es ist nicht so, und es wird auch nie so sein!

 

Die Lösung der Frage nach den Mobilitätskosten liegt in der Beantwortung der Frage nach den alternativen Energieträgern. Die Quelle dieser alternativen Energieträger sollte nach Möglichkeit regenerativ sein. Wenn wir es schaffen, alternative Energieträger wie etwa Strom oder Wasserstoff, sowie einen Großteil der zum Produzieren der Herstellungsanlagen nötigen Ressourcen selbst zu produzieren, sind wir in der Lage den Preis für Mobilität selbst zu bestimmen.

 

Revolutionär denken

Doch diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn wir uns von bisherigen Gedankenpfaden lösen und unser Denken und all seine Grenzen revolutionär erweitern. Es kann nicht mehr darum gehen, 1,5 Tonnen Metall für maximal 350 kg Mensch per jahrmillionenaltem Kraftstoff zu bewegen – es muss darum gehen, den Menschen saubere Antriebstechnologien und -arten anzubieten. Es kann nicht mehr darum gehen, ständig neue Straßen zu bauen, es muss darum gehen neue Mobilitätskonzepte umzusetzen. Vorhanden sind die Ideen bereits.

Diese Ideen brauchen Freiheit und brauchen Mut. Aber vor allem benötigen sie die Öffentlichkeit, damit man von ihnen weiß!